Gestrandet in Bajram Curri

Bajram Curri liegt an der Grenze zum Kosovo

Von Mitrovica im Norden des Kosovos geht es nach Nord-Albanien – genauer gesagt nach Bajram Curri. Der Ort mag nicht jedem ein Begriff sein. Keine Sorge, muss man nicht kennen, sofern man nicht, wie wir, mit der Fähre über den Lake Koman fahren möchte. Die Strecke soll landschaftlich extrem schön sein. Ähnlich der norwegischen Fjorde. Das hört sich klasse an, wir sind gespannt.

Busfahrt von Mitrovica (Kosovo) nach Bajram Curri (Albanien)

Marc und Jörn nehmen uns im Mietwagen bis zum Busbahnhof in Pristina mit. Dort steigen wir in den Minibus nach Gjakova um. Wie immer klappt das alles recht unproblematisch. Wichtig zu wissen ist nur, dass die Minibusse in Pristina außerhalb des Bahnhofs (auf der anderen Seite des Tunnels) fahren. Dort finden wir dann einen ausrangierten, deutschen VW-Bus mit dem Schild „Gjakova“ in der Windschutzscheibe. Sobald der Bus voll ist, geht es auch schon los. Die Straßenverhältnisse sind vernünftig und wir kommen ganz gut voran. Um 13 Uhr geht die Fähre, dass sollte zu schaffen sein. Vorher müssen wir allerdings noch in Gjakova umsteigen.

Landschaft in Albanien

Auf dem Weg nach Bajram Curri

Es wird etwas eng

In Gjakova halten wir mitten in der Stadt und es geht wertvolle Zeit verloren,

Voll gepackter Minibus

im Minibus

bis wir den Bus nach Bajram Curri gefunden haben. Uns wird klar, dass es knapp werden könnte, die Fähre zu bekommen. Der Bus hält nach ein paar Kilometern nochmal an und lädt (ungelogen) noch 200 Eier und sechs 25kg-Mehl-Säcke ein. Unsere Rucksäcke verbringen den Rest der Tour oben auf den Säcken. Das sieht man auch nicht alle Tage 😉 So tickt die Uhr weiter und wir werden die Fähre wohl erst morgen nehmen können und eine Nacht in Bajram Curri bleiben.

Bajram Curri – einfach uncool

Um 13.30 Uhr treffen wir in Bajram Curri ein. Logischer Weise ist die Fähre weg. Nun gut, auch das gehört zum Reisen dazu. Es kann nicht immer alles klappen. Wir machen es uns bei – na klar – einem Espresso in einem Café mit Internet gemütlich und checken die Hotel-Lage. Super, immerhin gibt es zwei Hotels in diesem Ort. Das Erste sagt dann auf Nachfrage, man habe keine freien Zimmer. Haha, Booking.com* zeigt uns die Verfügbarkeit an. Na gut, dann eben nicht. Im zweiten Hotel buchen wir ein Zimmer für eine Nacht. 45 €! Wow, die bis hierhin mit Abstand teuerste Nacht der Reise. Und das auch noch in einem Ort, der total uncool ist. Immerhin ist das Zimmer groß und modern ausgestattet.
Beim Spaziergang durch die Stadt sind die Schattenseiten allgegenwärtig. Herunter gekommene Häuser und vor allem Müllhalden trüben das Bild.

Berg-Panorama als Trost

Die Leute rocken hier nicht wirklich, alle sind wenig hilfsbereit und leider recht unfreundlich. Immerhin ist das Panorama traumhaft schön. Die Sonne strahlt und vor dem blauen Himmel steigen die schneebedeckten Berge auf. Die Kulisse lässt uns kurze Zeit diesen nervigen Stopp vergessen.

Auf der Suche nach etwas Essbarem

Da Bajram Curri nun aber wirklich rein gar nichts hergibt (die Hauptstraße haben wir in drei Minuten durchquert) wollen wir nur kurz etwas essen und dann zurück ins Hotel. Weder bei Tripadvisor noch bei Google werden wir fündig. Und die Läden an denen wir vorbeigehen sind entweder geschlossen oder komplett leer. Da uns das Hotel-Restaurant auch nicht gerade reizt, landen wir bei New York Pizza. Ein ungemütlicher Laden, der erst vor drei Tagen geöffnet hat. Die Pizza ist mit Cheddar belegt. Bravo. Bajram Curri wird uns einfach nicht in guter Erinnerung bleiben.

Die Pleite mit der Fähre

Am nächsten Morgen müssen wir dann noch die 12 Kilometer nach Fierze fahren, wo die Fähre nach Koman ablegt. Tatsächlich verlangen die Taxifahrer 8 € für diese kurze Tour. Wir sind mittlerweile mega genervt von diesem Ort und seinen Einwohnern. Nachdem wir den Fahrer auf 4 € heruntergehandelt haben, geht es dann endlich los zur Fähre. Müßig zu erwähnen, dass der Typ wie ein Wahnsinniger fährt und sich nicht mal verabschiedet als wir aussteigen. Am Fähranleger stehen ein paar Autos und die Fahrer trinken Bier und Schnaps. Morgens um 11.30 Uhr. Kann man machen. Auf die eigentlich eher rhetorisch gemeinte Frage „There is a ferry at 1pm, right?!“ erhalten wir ein schockierendes „no, only tomorrow 6am“. NEIN, DAS KANN NICHT SEIN! Auf der Internetseite steht eindeutig die tägliche Abfahrt um 13.00 Uhr. Und im Übrigen auf dem Plakat hier am Häuschen auch. Aber auch als wir nochmal fragen, dieselbe Antwort. Das darf doch nicht wahr sein. Da fahren wir den langen Weg aus Nord-Kosovo zu diesem Ort im Nirgendwo, um dann festzustellen, dass die Fähre nicht fährt. Nicht euer Ernst.

Zurück in Bajram Curri

Nach unseren Erfahrungen mit den nicht-existenten Restaurants, den unfreundlichen Hotelangestellten und den Taxifahrern mit Abzocker-Mentalität ist uns ziemlich schnell klar, dass eine weitere Nacht in Bajram Curri eigentlich nicht infrage kommt. Klar, wir könnten bis morgen früh um 6 Uhr warten und dann die Fähre nehmen. Aber wer sagt uns, dass wir dann überhaupt einen Taxifahrer finden, der uns zum Terminal fährt?! Und wenn ja, zu welchem Preis? Nein, eigentlich wollen wir nur weg und endlich nach Shkodra. Vorerst finden wir uns zurück in Bajram Curri wieder (den Taxi-Rückweg haben wir sogar für 3 € bekommen) und sitzen in besagtem Café mit Internet.
Und nun?

Wie kommt man von Bajram Curri nach Shkodra?

Es ist mittler Weile 13.30 Uhr und wir wollen in jedem Fall noch heute soweit wie möglich in Richtung Shkodra fahren. Das Hostel dort haben wir auch schon gebucht. Allerdings haben wir auch schon gelernt, dass die meisten Busse vormittags losfahren und unsere Chancen sinken, heute überhaupt noch hier wegzukommen. Wir sehen uns schon bis nach Tirana (komplett andere Himmelsrichtung als Shkodra) fahren, um dort zu übernachten und dann morgens weiter nach Shkodra zu fahren. Alle, die wir fragen, bestätigen uns, dass es keine Busverbindung von Bajram Curri nach Shkodra gibt. Verdammt. Wir sind doch tatsächlich in Bajram Curri gestrandet. Das darf doch einfach nicht wahr sein. Heute Abend nochmal New York Pizza? Bitte nicht.

Die Lösung?

Wir finden einen Blog, der eine Verbindung von Bajram Curri mit Umsteigen in Milot nach Shkodra erwähnt. Egal, wie das ausgeht. Wir wollen nur weg hier. So steigen wir um 14 Uhr in den Minibus nach Tirana, um auf 4/5 der Strecke in Milot auszusteigen. Von dort soll es mit dem Minibus nach Shkodra weitergehen. Wir sind gespannt.

In Albanien fahren viele Minibusse

Minibus nach Milot

Durch die Berge auf dem Weg nach Milot

Kaum zu glauben, aber der Bus fährt erst einmal zurück in den Kosovo (für uns der 2. Stempel im Reisepass), da dort die Straßenverhältnisse besser sind, um dann bei Prizren wieder nach Albanien zu fahren. Im Bus weiß mittlerweile jeder, dass wir nach Milot möchten und alle sind wieder hilfsbereit und freundlich. So wächst unsere Hoffnung, dass es dort wohl tatsächlich die Umsteigemöglichkeit nach Shkodra gibt. Die Landschaft zieht grün und schön an uns vorbei. Wenn wir nicht gerade plastik-verdreckte Flussbetten sehen, erfreuen wir uns der tollen Aussicht. Busfahren kann sehr entschleunigend sein. Irgendwann werden wir ankommen – egal wo.

Grünes Albanien

Aussicht aus dem Bus

Umstieg in Milot

Dann hält der Bus und schmeißt uns an der Autobahn (naja, eher Landstraße mit vielen Schlaglöchern) zwischen Tirana und Shkodra raus. Von hier aus sind es noch 40km bis zum Ziel. Die Jungs, die hier abhängen, bestätigen uns, dass hier alle 10 Minuten Busse nach Shkodra halten. Wunderbar. Als es langsam dunkel wird und wir bereits 45 Minuten warten, werden wir unruhig. Im Dunkeln hier an der Bundesstraße zu stehen, ist vielleicht doch nicht so prickelnd. Doch dann!!! Ja, ein Bus mit dem Schild „Shkodra“ hält. Wir steigen erleichtert ein.

Kiosk zwischen Shkodra und Tirana

Umstieg in Milot

Angekommen in Shkodra

Um 20.15 Uhr ist das Wunder dann gesehen. Wir betreten den Boden in Shkodra. Was heute morgen voller Hoffnung am Fähranleger begann, endet nach acht Stunden für 60km Luftlinie im Hostel in Shkodra. Das leckere Abendessen bei Peja Grill haben wir uns mehr als verdient. Und dann ab in die Koje.


Unterkunft
Wir haben im (wie gesagt) nicht so dollen Hotel Turizem Shkelzeni* übernachtet. Mangels Alternativen muss man wohl in den sauren Apfel beißen. Ein Doppelzimmer kostet ca. 45€/Nacht inkl. Frühstück.


Restaurants
Restaurants? Es gibt einfach keine. New York Pizza ist lediglich zu empfehlen, wenn man Lust auf Magenbeschwerden hat 🙁


Reisevorbereitung & unterwegs vor Ort
Zur Vorbereitung auf unsere Reise und als ständiger Reisebegleiter hat sich der Lonely Planet Eastern Europe auf englisch bewährt. Der Reiseführer ist ideal für einen schnellen Überblick über Albanien, Bahn- und Bus-Verbindungen von A nach B und für Sightseeing-Tipps.


Keine Lust zum Lesen?

Das Video zur Reise seht ihr hier:


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5 Kommentare zu “Gestrandet in Bajram Curri

  1. Pingback: Einfach schön: Shkodra – Expedition Lieblingsorte

  2. Abenteuer pur. Aber es kann nur besser werden.
    Habt ihr denn noch ein Restaurant gefunden?

    • Oh ja, eine ziemlich schlechte Pizzabude…

  3. Pingback: Kriegsnarben & Brückenpanorama in Mostar – Expedition Lieblingsorte

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