Abenteuer Nordkorea – sechs Tage im unbekannten Land

Die Führer Nordkoreas als Denkmal

Das Abenteuer startet von Peking aus. Die einzige Möglichkeit, nach Nordkorea zu kommen, ist ein Flug von Peking nach Pjöngjang.
Wir haben uns für eine sechstägige, geführte Tour angemeldet. Eine andere Option als eine geführte Tour gibt es auch nicht. Die Vorgaben der nordkoreanischen Regierung sind sehr streng und der Tour-Verlauf wird vorgegeben. Ob die geplante Agenda stattfindet, wird sich zeigen. Es kann spontan zu Veränderungen kommen.

Beim Einchecken am Flughafen werden die Gepäckstücke sehr lange kontrolliert. Bücher, Technik und alles mit Inhalten aus anderen Ländern oder unerwünschten Informationen zu Nordkorea lassen wir in Peking – im wunderbaren Peking Station Hostel*. Auch einen Korea-Reiseführer nimmt man lieber nicht mit. Den Nordkoreanern wird bei der Gepäckkontrolle reihenweise russischer Wodka abgenommen, den sie mit nachhause nehmen wollten. Sogar einen Fünf(!)-Liter-Kanister mit Wodka hat jemand dabei.
Im Flugzeug sitzen wir in der vorletzten Reihe. Vorab online einzuchecken war nicht möglich. Hinter uns sitzt jemand, der wirkt, als würde er auf uns aufpassen. Wir sind nicht allein und werden es die kommenden sechs Tage wahrscheinlich nicht mal beim Toilettengang sein.

Das Essen an Bord ist gewöhnungsbedürftig. Die Limonaden sind knallgrün und knallpink und schmecken wie sie aussehen. Neben uns macht jemand ein Foto vom Sandwich und wird nur Sekunden später darum gebeten, das Foto zu löschen. Schade, dabei ist das Sandwich doch in ein schickes weißes  Papier mit Rüschen eingewickelt.
Die Maschine (TU-204-300, JS/CAB-3/7) ist alt aber ok. Dunkelblaue Sitze und weinrote Kopflehnen. Eigentlich ganz hübsch. Die Stewardessen tragen kurze Röcke und verteilen die Tageszeitungen und Magazine. Leider bekommen wir auch auf Nachfrage kein Exemplar ausgehändigt.

Die Passkontrolle geht ziemlich schnell. Wesentlich länger dauert es bei der Gepäckkontrolle. Was allerdings nicht an uns liegt. Die Einheimischen schleppen kofferweise Essen aus dem Ausland mit. Nach 40 Minuten Warterei sind wir dran. Es interessiert lediglich die Technik. Dann werden wir von unseren Guides (Frau Kim und Herrn O) begrüßt. Herr O spricht deutsch, Frau Kim englisch. Sie werden die kommenden Tage an unserer Seite sein. Nun sind wir also da, in Nordkorea. Kaum zu glauben.

Die Sightseeing-Tour geht auch gleich los. Erster Stopp: Der Platz vor der Bibliothek. Ein großer Springbrunnen sprudelt in der Sonne. Im Wassernebel bildet sich ein Regenbogen. In der Nachbarstraße sammeln sich Hunderte, um für die Paraden zum Feiertag Anfang September zu üben. Noch wissen wir nicht, dass wir Ähnliches von nun an jeden Tag sehen werden.

Springbrunnen in Nordkorea

Springbrunnen Pjöngjang

Zweiter Stopp:
Monument der Chuch‘e-Ideologie. 170 Meter hoch, der höchste Steinturm der Welt. Von oben haben wir einen tollen Panorama-Aussicht auf die große Stadt. Bunt bemalte Hochhäuser überall. Aber Menschen? Oder gar Autos? Nein. Kaum. Wir sehen so wenige Autos, dass wir kaum glauben können, dass in Pjöngjang drei Millionen leben. Wenn, dann ist man zu Fuß oder mit einem Rad ohne Gangschaltung unterwegs. Die wenigen Busse sind überfüllt.


Tag 2

Draußen sind es knapp vierzig Grad und man wünscht sich eher ein Schwimmbad statt Sightseeing. Doch wir sind ja hier, um das Land kennenzulernen. Unser erster Stopp ist die Bibliothek „Grand People‘s Study Hall“ mit 600 Räumen. Die Eingangshalle aus Mamor ist gigantisch, an der Wand hängt ein großes Gemälde mit Kim Il Sung. Überhaupt sind alle drei Kims hier allgegenwärtig. Man kann ihnen nicht entfliehen. Jeder trägt einen Pin mit dem Gesicht von Kim Il Sung oder Kim Jong Il am Oberteil. Überall Fotos und Statuen der Führer. Man führt uns durch die langen Flur der Bibliothek, die in nur 21 Monaten erbaut worden ist… Deutsche Bücher und sogar deutsche Musik sind im Repertoire. Für jeden ausländischen Besucher werden die jeweiligen Schätze in ihrer Landessprache präsentiert. Wir kannten die deutsche Musik ehrlicher Weise aber überhaupt nicht.

Der Blick geht vom Balkon im sechsten Stock hinunter auf den Kim Il Sung Square, den Hauptplatz der Stadt. Dort sehen wir Tausende, die Aufführungen proben und im Gleichschritt marschieren. Laute Schlachtrufe hallen über den Platz. Man übt auch hier für den 70. Jahrestag des Landes am 9. September.

Nordkorea ist bekannt für seine Paraden

Kim Il Sung Square

Weiter geht es in der August-Hitze zum Moran-Park mit dem Befreiungsturm zu Ehren des Jahres 1945. Im Park singen die Grillen. Hier sehen wir auch ein paar Einheimische. Viele üben im Schatten der Bäume für ihre Aufführungen. Wenige, sehr wenige machen Picknick im Schatten. Die meisten scheinen beschäftigt. Viele haben leere Wasserkanister dabei, die sie wohl irgendwo auffüllen. Auf den Fußwegen sind Dutzende unterwegs zur Aufführungsprobe. Alle mit weißen Oberteilen und dunklen Hosen. Wir sind im Übrigen wohl die einzigen in dieser Stadt, die nicht schwarz oder weiß tragen.

Vom Gipfel im Park blicken wir auf die Stadt mit ihren vielen Hochhäusern und den leeren Straßen. Einige Häuser sind nicht fertig gebaut – hier werden wir aber darauf hingewiesen, diese nicht zu filmen… Ansonsten ist das Fotografieren und Herumlaufen wesentlich entspannter als gedacht. Vielleicht aber auch, weil wir vom Schlimmsten ausgegangen sind. Und sogar dachten, uns wird gesagt, wann wir was zu knipsen haben. Abwarten, was noch kommt…

Die Metro von Pjöngjang ist auch Teil der Tour. Stolz zeigt man uns die prachtvollen Stationen. Diese können zwar weder mit Sankt Petersburg noch mit Moskau mithalten, dennoch sind sie sehr hübsch gestaltet. Wir fahren vier Stationen. Ganz normal. Zusammen mit den Einheimischen. Allerdings kann sich wohl eher die Oberschicht die Metro leisten – obwohl uns gesagt wird, die meisten fahren Metro, sind die Waggons – die übrigens aus Berlin stammen – nicht wirklich voll. Die Busse oben auf der Straße platzen dagegen aus allen Nähten. Doch das Gros geht zu Fuß. Teilweise mit extrem schweren Taschen und sicherlich einige Kilometer pro Tag.

Vom Triumphbogen der Stadt haben wir mal wieder einen Panoramablick über Pjöngjang. Der Aufzug hinauf kostet 5,00 €, aber es lohnt. Von oben bestaunen wir mal wieder die großen, leeren Straßen. Ob hier mal Autos fuhren, als man noch Geld hatte? Am Straßenrand verkaufen kleine Kiosks Getränke und Snacks. Es gibt so gut wie keine Kunden. Auch bei mehr als 30 Grad hat niemand eine Wasserflasche in der Hand. Nur Handpropeller und Regenschirme helfen gegen die Hitze. Die meisten Passanten sehen ziemlich erschöpft aus. Die Augen sind traurig und die Wangen eingefallen. In den Wohnungen gibt es keine Klimaanlagen, da sind die Nächte sicher kurz.

Prächtige Bauwerke in Nordkorea

Triumphbogen in Pjöngjang

Der Tag endet mit einer Zirkus- und einer Musikvorstellung. Hier Treffen wir auf chinesische Reisegruppen, die in Nordkorea die Mehrzahl der Touristen ausmachen.
Das Musikkonzert der Schulkinder lässt unsere Herzen schmerzen. Den Mädchen sieht man an, dass sie sich quälen, um wie gewünscht zu lächeln. Schön, dass die Chinesen nach der Vorstellung tütenweise Spenden wie Stifte und Malblöcke übergeben. Da können die Schülerinnen doch noch echt lachen.

Der Tourpreis beinhaltet Vollpension. Abends sitzen wir in leeren Restaurants zu zweit. Gewöhnungsbedürftig. Nicht mal unsere Guides essen mit uns. Das Essen ist ok. Es gibt viel Fisch und Kraut. Und natürlich Kimchi. Sehr gesund 😉 Die Portionen können wahrscheinlich zehn nordkoreanische Familien einen Tag lang sättigen. Wir fühlen uns ziemlich unwohl so alleine im Restaurant mit vollen Tellern während man sich draußen nicht mal Wasser leisten kann.

Auf dem Heimweg sehen wir, wie ein paar Anwohner ihre Wasserkanister am Gulli auffüllen. Geschockt kehren wir ins internationale Luxus-Hotel mit Strom, Klimaanlage und Warmwasser zurück 🙁


Tag 3

Der Tag beginnt früh um acht Uhr. Es steht die Besichtigung des Kumsusan-Palastes – dem Sonnen-Palast – auf dem Programm. Männer müssen Hemden und lange Hosen tragen, Frauen kleiden sich ebenfalls schick und mit geschlossenen Schuhen. Na super. Diese Kleiderordnung geben unsere Rucksäcke eigentlich gar nicht her. Unser Fahrer leiht Sven netterweise ein Hemd und alles wird gut.

Mausoleum in Nordkorea

Sonnenpalast von Pjöngjang

Gemeinsam mit verhältnismäßig vielen Touristen gehen wir in Vierer-Reihen durch den Palast. Ein gigantisches Bauwerk. Wände, Säulen und Fußböden sind aus Marmor. Wir verbeugen uns vor Wachsfiguren der Führer Kim Il Sung und Kim Jong Il. Weiter geht es zum aufgebahrten Leichnam von Kim Il Sung, der 1994 verstorben ist. Hier verbeugen wir uns drei Mal. Seine Orden, sein Zug, seine Autos und sein Schiff sind in weiteren Hallen anzuschauen. Sein Sohn Kim Jong Il verstarb 2011 und ist seit 2012 aufgebahrt. Drei Mal verbeugen und dann führen uns die Guides an seinen Orden, seinen Autos und seinem Zug vorbei. Es ist sehr beeindruckend, welchen hohen Stellenwert die Herren heutzutage noch haben. Dutzende Soldaten tun es uns gleich und verbeugen sich vor den aufgebahrten Führern. Man merkt den Menschen den Respekt an, den dieser Ort versprüht.


Nächster Halt:

Friedhof der Revolutionshelden. Jeder Held wir mit einem bronzenen Kopf geehrt. Das Wichtigste ist aber das Grab zu Ehren von Kim Il Sungs Frau, das ebenfalls hier zu sehen ist. Der Friedhof liegt auf einem Berg. Tolle Aussicht. Panorama können sie in Pjöngjang.

Letzter Stopp am Vormittag ist das Mansudae-Denkmal. Gigantisch grüßen die beiden Führer Kim Il Sung und Kim Jong Il als bronzene Figuren. Diese sind höher als das Gebäude hinter ihnen. Sie überblicken regelrecht Pjöngjang. Immer wieder wird uns erzählt, wie sehr die Menschen im Mittelpunkt stehen. Aha? Warum sehen wir dann Frauen, deren Fahrräder so schwer beladen sind, dass sie sie kaum schieben können? Und Männer, die ohne einen Schluck Trinkwasser in der prallen Hitze die Brückengeländer streichen?

Die Führer Nordkoreas als Denkmal

Mansudae-Denkmal in Nordkorea

Am Nachmittag verlassen wir Pjöngjang und besichtigen die Westmeer-Schleuse in Nampo 60 Kilometer südlich der Hauptstadt. In großer Ingenieurskunst und ohne ausländische Hilfe (wie auch?!) hat man hier in nur fünf Jahren einen acht Kilometer langen Staudamm und drei Schleusenbecken gebaut. Nun kann Süßwasser für die Bewässerung der Felder und Ähnliches genutzt werden.

Apropos Felder. Auf dem Weg zurück nach Pjöngjang sehen wir Dutzende Frauen, die offensichtlich ihre Tagesernte transportieren. Auf dem Fahrrad natürlich. Jede hat mindestens zwei große Säcke auf dem Gepäckträger. Einige haben noch vorne im Korb am Lenker einen Sack und zwei weitere am Gepäckträger hängen. Wenn wir an Radtouren aus der Kindheit denken, wo man mit zwei Radtaschen unterwegs war, kann man sich das hier nur schwer ansehen. Die Fahrräder sind uralt, haben keine Gangschaltung und sind komplett überladen. Müßig zu erwähnen, dass die Sonne bei mehr als 35 Grad gnadenlos knallt und die Straße ziemlich bergig ist. An den wenigen Schattenplätzen unter den Bäumen stellen die Frauen ihre Räder ab und rasten. Kaum vorstellbar, wie viele Kilometer sie jeden Tag zurücklegen müssen, während wir mit Klimaanlage im Auto sitzen.

Der Tag endet am Geburtshaus von Kim Il Sung. Lehmhütten, in denen die Familie mehr als 100 Jahre gelebt hat. Nicht unbedingt der beeindruckendste Stopp der Tour.

Abends blicken wir aus dem 43. Stock unseres Hotels auf die Stadt. Noch nie haben wir eine Stadt gesehen, die abends so dunkel ist. Die Straßenlaternen wirken wie Notbeleuchtung. Die Bürogebäude sind komplett dunkel und aus den Fenstern der Wohnhäuser scheint spärlich Licht. Nordkorea ist wirklich eine sehr eigene Welt.


Tag 4

Heute steht ein Highlight der Tour an. Wir fahren zur koreanischen Grenze nach Kaesong. Nach etwa zweieinhalb Stunden Autofahrt erreichen wir die entmilitarisierte Zone (die sogenannte DMZ oder Joint Security Area) in der Nähe des Ortes Panmunjeon. Begleitet von einem Soldaten fahren wir einige Minuten entlang von Stacheldrahtzäunen. Dann stoppen wir am Pavillon, in dem 1951 bis 1953 die Friedensverhandlungen zwischen Nordkorea und den USA geführt wurden. Die Stühle am Tisch hier sind noch die Originale. Weiter geht es in das Haus, in dem der Vertrag zum Waffenstillstand unterzeichnet wurde.
Zu guter Letzt finden wir uns auf einem Balkon mit Blick auf beide Grenzseiten wieder. Unten stehen sieben Häuschen. Vier nordkoreanische und drei amerikanische/südkoreanische. Auf der Südseite finden sich die Touristen nachmittags ein. Heute Vormittag ist also nur Betrieb im Norden. Stolz macht der uns begleitende Soldat Fotos mit den Touristen. Auch für uns ist es etwas ganz, ganz besonders, an der koreanischen Grenze zu sein. Und noch dazu im Norden. Sven hat 2011 bereits die Grenze von Süden aus besucht und dort waren die Vorschriften, Überprüfungen und Sicherheitskontrollen sogar wesentlich strenger.

Über die holprige, immer noch leere Autobahn führt der Weg weiter. Rechts und links ziehen Dutzende Reisfelder, Mais-Plantagen und Kartoffelbeete an uns vorbei. Gearbeitet wird überall. In der prallen Hitze. Egal, ob beim Ernten auf dem Feld oder beim Fegen auf der Autobahn. Jeder hat etwas zu tun. Der Rest ist wie immer mit schwer beladenen Fahrrädern unterwegs. Am Horizont strecken sich schöne, grüne Berge empor. Die Natur ist wunderbar unberührt.

Mitten im Grünen liegt das Grab von König Kongmin (1330 – 1374), der 31. König der Goryeo-Dynastie (918 – 1392). Er und seine (Lieblings)frau (er hatte viele Frauen) ruhen hier zwischen Bäumen und Grillen-Zirpen. Der Ort ist eine Oase. Auch für uns. Endlich mal sehen wir keine schwer arbeitenden Menschen oder solche, die einfach nur erschöpft sind vom harten Alltag.

Auch der Tempel „Songbulsa“ außerhalb des Ortes Sariwon liegt schön ruhig im Grünen. Der Mönch begrüßt uns und zeigt uns die einzelnen Hallen. Besonders hübsch sind die Dächer und Decken – bunt bemaltes und verziertes Holz. Selbstverständlich machen wir ein Foto mit dem Mönch…

Heute Nacht schlafen wir in Sariwon. Was es hier mit der 2004 erbauten „Folklore-Straße“ auf sich hat, erschließt sich uns nicht so ganz. Aber von oben haben wir immerhin einen schönen Blick auf die kleine Stadt und die umliegenden Berge.

Erschöpft (ja, auch wir sind erschöpft) checken wir ins Hotel ein. Oh. Kein fließend Wasser. Willkommen in Nordkorea. Da ist er also, der Versorgungsengpass. Und wenn nicht mal das Hotel im Ort Wasser hat, dann erst recht nicht irgendein Anwohner. Puh. Grenzerfahrungen. Als es um 20 Uhr draußen dunkel ist, ist übrigens ganz Sariwon dunkel. Die Lichter im Fenster können wir an zwei Händen abzählen. Kein fließend Wasser. Kein Strom. Unfassbar.

Hotel ohne fließend Wasser

Hotel-Badezimmer in Sariwon


Tag 5

Es geht zurück nach Pjöngjang. Im Kriegsmuseum besichtigen wir das US-Spionageschiff Pueblo, welches 1968 vor der koreanischen Grenze gekapert wurde. Ein Film zeigt uns die Ereignisse über den Korea-Krieg aus nordkoreanischer Sicht.
Im Museum sind Dutzende Hallen mit Informationen zum Korea-Krieg gefüllt. Die Haupthalle ist prächtig geschmückt. Ein großer Kronleuchter als fünfseitiger Stern hängt von der Decke. Leider ist es nicht erlaubt, Fotos zu machen.
Wir werden durch verschiedene Säle zu unterschiedlichen Themen geführt. So zeigt man uns den Alltag der Soldaten im Wald während des Krieges – im Frühling und im Winter. Zelte, Verstecke, Kochstellen. Aufwändig gestaltet. Ein Raum widmet sich der amerikanischen Niederlage samt Statistiken zu Todesopfern und Medaillen, die den einheimischen Kriegshelden verliehen wurden. Mit modernster Technik wird ein Kriegsschauplatz Nahe der heutigen Grenze dargestellt. Imposant feiert man in diesem großen Museum den Sieg über die USA – aus dem Blickwinkel Nordkoreas… Zum Ende der Führung werden wir sogar gefragt, ob uns nun klar ist, wer den Korea-Krieg begonnen hat.

Am Nachmittag geht unser Fußball-Länderpunkt-Traum so halb in Erfüllung. Wir sehen zwei Spiele beim U15-ARI-Cup. Mehr war nicht drin. Für ein Erwachsenen-Spiel beim Torch Cup haben die Guides keine Zusage machen können. So sehen wir die U15-Spiele Nordkorea gegen Usbekistan und Südkorea gegen Weißrussland.

Am Abend ist dann der Kim Il Sung Square prall gefüllt. Tausende üben in weißen Oberteilen und schwarzen Hosen bzw. Röcken für die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Gründung in gut drei Wochen. Auf dem Platz geben nummerierte, weiße Linien an, wer wo zu stehen hat. Autos mit Lautsprechern auf den Dächern geben Kommandos. Wir würden dem Treiben gerne noch weiter zu sehen. Morgen vielleicht.

Proben für eine Parade in Nordkorea

Paraden-Probe in Pjöngjang

Die Innenstadt ist auf dem Rückweg zum Hotel zum ersten Mal richtig voll. Gedränge auf dem Fußwegen und Autostau. Die ganze Stadt scheint auf dem Heimweg von den Parade-Proben. Am Jahrestag wird hier einiges los sein.


Tag 6

Wie immer klingelt der Wecker um sechs Uhr. Wir haben uns an den Rhythmus gewöhnt. Eine geführte Tour hat auch so einige Vorteile. Man braucht sich nur die Abfahrtszeiten zu merken und alles andere wird geregelt. Nur Fotos muss man selbst machen. Hierzu werden wir aber notfalls auch aufgefordert.

Nach zweieinhalb Stunden Autofahrt vorbei an Reisfeldern, Flüssen und Bergen erreichen wir die Freundschaftsausstellung im Norden Pjöngjangs. Im Gebirge Myohyang liegt das hohe Gebäude im Pagodenstil umringt von üppiger Natur und dichtem Wald.

Zwei Stunden dauert unsere Führung durch das Museum. In insgesamt 140 Räumen (die wir logischerweise nicht alle sehen) werden Geschenke, die Kim Il Sung, Kim Jong Il und Kim Jong Un aus dem Ausland erhalten haben, ausgestellt. Eine bunte Sammlung an skurrilen, kitschigen und interessanten Teilen. In den Räumlichkeiten ist es extrem kalt – also: Jacke nicht vergessen, wenn ihr hier seid. Ehrlicherweise sind wir heil froh, als wir die Ausstellung verlassen. X Mal wurde uns erzählt, wie viele Freunde die Kims weltweit haben und wie groß deren Ansehen ist. Ja, wir haben es verstanden.

Nach einer holprigen Rückfahrt sehen wir uns in Pjöngjang noch das Denkmal der Parteigründung an. 50 Meter hoch zeigen Hammer, Sichel und Pinsel den Stolz der Partei. Unsere Aufnahmefähigkeiten sind nach sechs Tagen nun echt erschöpft. Die 12-Stunden-Ausflüge zehren auch bei einer geführten Tour…

Denkmal in Nordkorea

Denkmal zur Gründung der Partei

Zum Abschluss kaufen wir im Buchladen für Touristen noch The Pyongyang Times. Eine tolle Erinnerung an dieses Land.

Die Reise endet beim gemeinsamen North Korean Barbeque mit unserem Fahrer, Herrn O und Frau Kim. Auch für die drei waren es lange Tage. Doch sicherlich geht deren Job in den nächsten Tagen ähnlich straff weiter.

Korean BBQ

Korean BBQ

Am kommenden Morgen geht die Ausreise ziemlich schnell. Niemand interessiert sich für die Bilder auf unserer Kamera und auch das Gepäck müssen wir nicht öffnen. Da haben wir ganz andere Geschichten gehört und gelesen.

Was bleibt?
Unsere Reise nach Nordkorea war eine einmalige, unvergessliche Erfahrung – in allerlei Hinsicht. Live mitzuerleben, wie Land und Leute ticken, kann keine Dokumentation dieser Welt ersetzen. Doch diese Reise war keine Erholung. Es wird noch einige Zeit dauern, bis wir verarbeitet haben, wie die Welt in den Augen Nordkoreas aussieht. Wer Lust auf eine ganz besondere Reiseerfahrung hat, ist auf einer Tour durch Nordkorea richtig. Wir jedenfalls kehren erschöpft, aber auch dankbar, hier gewesen zu sein, nach Peking zurück. Ebenso scheint es auch den anderen Touristen zu ergehen, die mit glänzenden Augen am Flughafen mit uns einchecken. Eine wirkliche „once in a lifetime“-Erfahrung der ganz besonderen Art.

Fußballstadion in Nordkorea

Nur gucken, nicht anfassen… Stadion 1. Mai


Unterkunft
Wir haben im Yanggakdo Hotel gewohnt. Es gibt noch ein oder zwei andere Hotels, in denen ausländische Besucher untergebracht werden. Die Zimmer sind groß, sauber und mit Klimaanlage ausgestattet. Frühstück gibt es morgens im 47. Stock mit Blick auf das Stadtzentrum und den Fluss Taedong. Toastbrot, Omlette und manchmal Wassermelone. Oder, wer es chinesischer mag: Reis, Fleisch und Suppe.
In der Bar in der Hotellobby werden Getränke verkauft. Ein paar Shops bieten Souvenirs und ausländische Lebensmittel an. Wer abends noch Energie hat, kann Tischtennis, Bowling oder Billard spielen.


Restaurants
Im Tourpreis ist Vollpension inklusive. Man isst jeden Tag in einem anderen Restaurant, das Essen variiert dabei wenig. Kimchi, Fisch, Gurkensalat, Rührei, Kohlsuppe, Kartoffeln, Reis, Schwein, Rind. Die Portionen sind viel zu groß. Wir essen maximal die Hälfte auf.
Wasser und lokale Limonaden (plus Fanta) kann man eigentlich überall kaufen. Sogar im Museum, im Souvenirshop und an Raststätten an der Autobahn.


Reisebuchung
Mehrere Agenturen aus Deutschland bieten eine Nordkorea-Tour an. Die Angebote sind mehr oder weniger identisch, da die Agenda aus Nordkorea vorgegeben wird. Die meisten Touren dauern sechs Tage und kosten zwischen 1.100 € und 1.500 € pro Person inklusive Flug ab Peking. Eintrittspreise zum Fußball, Zirkus oder ähnlichem sind extra zu zahlen. Ebenso Blumensträuße, die man vor Denkmälern niederlegt. Die Museen und Ausstellungen sind im Preis inbegriffen. Wir haben uns für eine Buchung bei Nordkorea-Info (http://www.nordkorea-info.de) entschieden. Buchung, Abwicklung und Tourablauf haben wunderbar geklappt.


Reisekasse
In Nordkorea kann man nur bar bezahlen. Bargeld muss mitgebracht werden. Es werden Euro, US-Dollar und chinesischer Rembini akzeptiert. Am besten kleine Scheine mitbringen, da wenig Bargeld im Umlauf ist. Trinkgelder für die Guides werden erwartet. Wir haben unseren Guides und dem Fahrer noch eine Freude mit Zigaretten und deutschen Bonbons gemacht, die wir im Shop im Hotel gekauft haben.
Nach dem Besuch der Sehenswürdigkeiten und einiger Restaurants geht es fast immer noch durch einen Shop. Jeder hat das gleiche Angebot: Bücher von Kim Il Sung in verschiedenen Sprachen, Reiseführer, Porzellanvasen, ausländische Süßigkeiten und lokale Erfrischungsgetränke, teilweise sehr lecker (plus Fanta).


Dieser Beitrag ist freigegeben von
Nordkorea-Information, 50226 Frechen, www.nordkorea-info.de.


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6 Kommentare zu “Abenteuer Nordkorea – sechs Tage im unbekannten Land

  1. Wow, megainteressant, habe deinen Bericht gerade verschlungen. Es klingt echt bedrückend, wie es dort ist. Kaum Licht abends in den Städten und kaum Autos auf den Straßen… eine total andere Welt. Danke für deinen Post!
    Liebe Grüße,
    Martina

    • Hallo Martina, ja, wirklich eine total andere Welt dort. Spannend, aber natürlich auch total erschreckend und schockierend. Schön, dass wir die ein kleines Bild des Lebens dort vermitteln konnten. Grüße Anna

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