In der Natur der Cameron Highlands

BOH-Teegarten im Dezember

Raus aus dem quirligen George Town (unser George Town Blog) geht es für uns ins Grüne. Nach etwa der Hälfte der fünfstündigen Busfahrt verlassen wir die Autobahn und fahren bergauf der frischen Luft entgegen. In George Town war es heiß und stickig, sodass wir uns auf etwas kühlere Temperaturen in der Natur freuen. In den Cameron Highlands werden Gemüse, Obst und Tee angebaut. Besonders letzteres ist das Ziel unserer Begierde. Tee-Plantagen. Die Ersten sehen wir sogar schon vor dem Ziel. Grüne Plantagen und dichten Palmenwälder säumen die kurvige Straße in Richtung Tanah Rata, dem Hautport der Cameron Highlands.

Die grünen Weiten der Cameron Valley Tea Plantations

Nur drei Kilometer südlich des Hauptortes Tanah Rata liegen die Teeplantagen „Cameron Valley“. An der kurvigen Hauptstraße entlang kann man vom Ort aus zu Fuß hinunter zu den Teegärten laufen. Alternativ nimmt man ein Taxi. Oberhalb der Gärten ist ein kleines Café, welches Kuchen und Tee (selbstverständlich aus eigener Produktion) anbietet. Für zwei Ringit ersteht man sich dann an der Kasse ein Armbändchen, welches Zugang zu den Gärten gewährt. Auf breiten Wegen kann man zwischen den Teepflanzen spazieren.

Wer ein wenig Ruhe sucht, biegt an der ersten Kreuzung ab und findet sich schnell alleine zwischen dem grünen Tee wieder. Wir atmen die frische Luft ein und genießen die Ruhe nach den doch eher hektischen Tagen in George Town (unser George Town Blog).

Unser Ziel für heute ist ein Wanderweg hinauf auf den Wipfel von Gunung Jasar. Von dort soll es zurück nach Tanah Rata gehen.

Wanderweg Nr. 10 hinauf zum Gunung Jasar

Auf Sandwegen geht es entlang der knapp Hundert Jahre alten Teebüsche und Gemüsefeldern auf denen Auberginen, Kohl, Bohnen und Porree angebaut werden. Vor uns steht der Aufstieg zum Gunung Jasar auf 1.696 Meter über Normalnull. Da wir aber bereits auf 1.400 Metern üNN. sind, ist die Höhendifferenz kaum der Rede wert. Erwähnenswert ist dagegen eher, dass im Dezember in Malaysia Regenzeit herrscht und es in den letzten Tagen und Nächten ziemlich viel geregnet hat – entsprechend nass ist der Boden.

Zwei Stunden geht es bergauf. Teilweise ist der rutschige, matschige Weg ziemlich steil und steinig. So eine sportliche Aktivität hatten wir gar nicht erwartet. Durch dichtes Grün und auf engen Pfaden schlängeln wir uns nach oben. Kurz vor dem Ziel beginnt es langsam zu regnen. Bloß nicht schon wieder Regen! Bereits gestern Abend sind wir ziemlich nass geworden.

Oben angekommen, genießen wir schnell einen kurzen Blick zurück über die weiten Teeplantagen und Gemüsefelder bevor die dicken Wolken uns die Sicht nehmen. Zeit für eine kleine Stärkung bleibt noch, dann wird der Regen stärker und wir treten den Rückweg ins Tal an.

Im Dauerregen auf Wanderweg 6

Der etwa einstündige Abstieg auf Wanderweg Nummer 6 zurück nach Tanah Rata wird uns ewig in Erinnerung bleiben. Kaum haben wir die (scheinbar) regen-schützenden Bäume erreicht, beginnt es wie aus Kübeln zu genießen. Sekündlich wird der Regen stärker. Das Blätter- und Nadel-Dach über unseren Köpfen hält dem Nass keine zehn Minuten stand. Es regnet ungebremst auf uns herab.

Der Wanderweg wird zum Rinnsal. Die rote Erde wird vom Regen aufgeweicht und der Weg verwandelt sich in einen von Minute zu Minute größer werdenden, roten Bach. Baumwurzeln dienen als Treppenstufen während wir uns im Schneckentempo haltsuchend der Weg nach unten bahnen.

Kaum bleibt uns Zeit, den wunderbar dichten Regenwald zu bewundern, durch den wir straucheln. Der Blick ist fast stetig nach unten gerichtet, um das Rutschen möglichst zu minimieren. Die Hände sich längst dreckig, weil manche Passagen ohne Festhalten an Baumstämmen oder Wurzeln nicht zu meistern sind.
Mittlerweile sind unsere Schuhe durchnässt. Bei jedem Schritt quillt Wasser an den Schuhspitzen hervor. Wir waten durch Wasser – im doppelten Sinne. Schützend verpacken wir Kamera und Wertsachen ganz unten im Rucksack. Von oben prasselt es unermüdlich.

Übersicht der Wanderwege in den Cameron Highlands.

Tapfer und klitschnass steigen wir hinab bis nach Tanah Rata. (Logischerweise) begegnen wir auf der ganzen Strecke keiner Menschenseele. Alleine im Extrem-Regen. Welch‘ einmalige, unvergessliche Erfahrung.
Durchgefroren, nass und erschöpft liegen wir später frisch geduscht in den warmen Betten. Logisch, dass der Regen nun natürlich aufgehört hat. 🙂

Mossy Forest – ein genialer Regenwald

Ein ganz besonderes Fleckchen der Cameron Highlands ist der Mossy Forest – der Moos-Wald. Um ihn vor den vielen Besuchern zu schützen, ist er nur mit einer Tour und nur für ein paar Stunden täglich zu besuchen. Wir schließen uns einer Halbtagestour von „Eco Cameron“ (50RM pro Person) an.

Der Mossy Forest ist einer der ältesten Regenwälder der Welt. Hier wird es auf etwa 2.000 Metern über Normalnull nie wärmer als 16 Grad Celsius. Wolken bahnen sich ihren Weg durch das dichte Grün und der englische Begriff „cloud forest“ passt perfekt. Dank der permanenten Feuchtigkeit sprießt und wächst es überall. An jedem, aber wirklich jedem Ast wächst Moos. Wassertropfen bilden sich an den kleinen Moosbüscheln und Zweigen, die mit Moos besetzt sind. Langsam wächst der Tropfen bis die Erdanziehungskraft siegt und er auf den feuchten Waldboden hinab ins Moos fällt. Was für ein geniales Naturschauspiel.
Wir kraxeln über Baumwurzeln und vorbei an fantasievollen Gewächsen und Blumen durch den Regenwald. Pflanzen haben im Moos auf den Ästen Wurzeln geschlagen. Farn grünt in Baumwipfeln und Lianen hängen in der nebelschweren Luft.

Wilde Bananen-Sträucher wachsen hier ebenso wie Laubbäume und seltene Pflanzen. Die Tour ist keine Wandertour, sondern eher eine Klettertour. Etwa 45 Minuten sind wir im Dickicht unterwegs. Aufrecht gehen kann man übrigens zu keinem Zeitpunkt, der Regenwald nimmt sich seinen Platz. Schön, dass die Besuchsmöglichkeiten eingeschränkt sind, so bleibt der Erhalt des Waldes erste Priorität.

Was für ein genialer Fleck Erde. Den wandernden Regentropfen könnten wir noch ewig zuschauen. Leider müssen wir aber gehen, da der Nationalpark um 10 Uhr morgens bereits wieder für Besucher geschlossen wird. Durch Touristen zerstörte Teile des Regenwaldes sollen sich wieder erholen, sodass die Besucherzahlen streng reduziert wurden.

Touristen-Treff: BOH Tea Plantations

Die Tour mit „Eco Cameron“ geht weiter zu den BOH Tea Plantations. Diese Teeplantagen sind die Einzigen der Region, bei denen man nicht nur die Gärten, sondern auch die Produktion besichtigen kann. Die Plantagen liegen etwa zwölf Kilometer nördlich von Tanah Rata. Wer ohne Tour unterwegs ist, kann mit einem Taxi oder Mietwagen hierher kommen.

Die kleine Produktionshalle ist umgeben von weitläufigen Teefeldern. Die Sträucher wachsen hier bereits seit Gründung der Firma im Jahr 1929. Wer näher an die Büsche herantritt, sieht dem Stamm das Alter auch an. Die hellgrünen Blätter dagegen sind ganz jung und warten auf die kommende Ernte.

Alle 20 Minuten startet eine Tour durch die Produktionshalle. Viel zu sehen gibt es bei der kurzen Begehung allerdings nicht. Den großen Maschinen, die die frisch geernteten Teeblätter rollen, trocknen und sortieren, kann man sich nur auf maximal fünf Meter nähern. Eine Mitarbeiterin erklärt den Produktionsprozess – wegen der Masse an Besuchern und der Lautstärke in der Halle kann man der Beschreibung allerdings schlecht folgen. Wer etwas über die Produktion von Tee lernen möchte, wird hier nicht unbedingt schlauer. Die Maschinen einmal zu sehen, ist dennoch interessant und sowieso Bestandteil fast jeder Tour.

Zum Abschluss bleibt uns leider keine Zeit, den Tee im dazugehörigen Café zu probieren, da die Schlange zum Anstehen viel zu lang ist. Die BOH Tea Plantations sind die Hauptattraktion der Region, sodass sich hier viele Tourgruppen sammeln und man die Ruhe der weiten Plantagen leider nicht wirklich genießen kann. Der Besuch des Cameron Valley – wie bereits oben beschrieben – ist wesentlich lohnender als die BOH Gärten.

Was bleibt?

Uns hat der Abstecher in die Cameron Highlands sehr gut gefallen. Wer zwischen Kuala Lumpur und George Town unterwegs ist, kann hier oben bei frischer Luft und in grüner Natur einen kurzen Stopp einlegen. Leider ist die Region sehr verschmutzt und viele Gemüsefelder sind mit Plastikplanen oder Gewächshäusern abgedeckt. Dennoch bleiben uns die beeindruckenden Teeplantagen im Cameron Valley und der feuchte Mossy Forest in bester Erinnerung.


Unterkunft

Etwas abseits der Hauptstraße in Tanah Rata liegt das Do Chic B&B*. Zwei hilfsbereite Chinesinnen führen diese kleine Unterkunft mit leckerem Frühstück. In etwa zehn Minuten ist man im Ort und bekommt von den Gastgebern unzählige Tipps zu Ausflügen und Restaurants in der Umgebung. Wir haben 25 € pro Nacht für ein Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad gezahlt.

Restaurants

Im Zentrum von Tanah Rata liegen einige Restaurants. So richtig überzeugt hat uns keines, sodass wir hier keine Tipps geben möchten.


Reiseplanung & unterwegs vor Ort

Mit dem Bus kommt man von George Town in fünf Stunden in die Cameron Highlands. Eine Person zahlt etwa 40 MR (etwa 8 €). Am Bahnhof Komtar (Standort) kann man die Fahrkarte bei einer der unzähligen Agenturen kaufen. Oder man bucht direkt online via busonlineticket.com oder easybook.com. Dort finden sich alle Abfahrtszeiten, Verbindungen und Preise. Oft kann man sogar den Sitzplatz direkt wählen.

Von den Cameron Highlands nach Kuala Lumpur sind es fünf Stunden mit dem Bus. Eine Fahrkarte kostet etwa 40 MR (etwa 8 €). Wir haben die Busfahrkarte für diese Strecke über busonlineticket.com gebucht.

Zur Vorbereitung auf unsere Reise und als ständiger Reisebegleiter hat sich das englischsprachige Buch Lonely Planet Southeast Asia on a shoestring* bewährt. Der Reiseführer liefert für einen schnellen Überblick über die Länder der Region, Informationen zu den verschiedenen Ländern und Städten, Sightseeing-Tipps und vieles mehr.


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Ein Kommentar zu “In der Natur der Cameron Highlands

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