Watt, Deich und Schafe auf Pellworm

Der Zufall verschlägt uns nach Pellworm. Auf der Suche nach einer gemütlichen Unterkunft für ein spontanes verlängertes Wochenende stoßen wir auf Pellworm. Seeluft und Ruhe sind gefragt. Pellworm erscheint uns da ganz passend. Ein kurz zuvor storniertes Zimmer macht unseren Weg frei auf die kleine Insel irgendwo in der Nordsee.

Mit der Regionalbahn und dem Bus geht es bis zur Fähre nach Nordstrand. Langsam bahnt sich die Fähre ihren Weg durch die Fahrrinne während die Ebbe links und rechts das dunkelbraune Watt freilegt. Oh ja, eine Wattwanderung, das wäre toll. Zuletzt waren wir während der Grundschulzeit im Watt.


Mit Gegenwind zum Ziel

Doch erst müssen wir uns dem düsteren Juni-Wetter aussetzen. In der Nähe des Hafens leihen wir uns Fahrräder. Der Wind pfeift von vorne während wir uns auf zu unserem Hotel machen. Gnadenloser Gegenwind. Kaum Bäume, die Windschatten bieten. Was haben wir uns bloß dabei gedacht? Von entspanntem Radfahren keine Spur.

Mit reichlich Verspätung kommen wir an. Unser Gastgeber wartet schon auf uns. Sobald sich die Tür zu unserem Apartment öffnet, ist jegliche Anstrengung vergessen. Die Anreise hat sich gelohnt. Uns erwartet eine so gemütliche Wohnung* mit Blick auf Deich und Kuhweiden. Herrlich!


Deichwanderung und Schafsliebe

Schnell bringen wir unsere Rucksäcke rein und machen uns auf zum Deich. Pellworm liegt unter dem Meeresspiegel. Der Deich, der einmal um die gesamte Insel führt, schützt die Bewohner seit Urzeiten vor Flut und Hochwasser. Der steifen Brise trotzen die flauschigen Schafe, die grasend auf dem Deich stehen. Ihrem dicken Fell kann kein Lüftchen etwas anhaben. Mit ihren festen Hufen stampfen sie den Deichboden immer wieder fest und tun so ihren natürlichen Dienst zum Schutz des Walls. Die Schafe haben großzügig eingezäunte Areale. So braucht man beim Spazierengehen auf den Fußwegen keine Angst zu haben, in Schafsdreck zu treten.

Die frische Luft tut gut. Sehr gut sogar. Der Blick schweift in die Ferne, der Wind rauscht. Wir ziehen die Mützen weiter ins Gesicht und beginnen unsere Deichwanderung. Vorbei an faulen Schafen, die sich von unseren neugierigen Blicken nicht aus der Ruhe bringen lassen. Vorbei an weniger entspannten Austernfischern, die uns zum Schutz ihrer Nester versuchen zu attackieren. Schnell weiter. Der Fußweg führt mal oben auf dem Deich, mal unten am Ufer entlang.


Unterwegs im Watt

Um einmal um die Insel zu gehen, ist zu Fuß etwas weit. Insgesamt etwa 25 Kilometer. So bleiben wir im westlichen Teil der Insel und beobachten, wie die Ebbe kommt. Langsam weicht das Wasser dem Watt. Wattwürmer türmen ihre Berge und Austernfischer suchen nach Muscheln – oder eben nach Austern. Möwen waten durch das klebrige Watt und wir freuen uns auf die morgige Wattwanderung.

Die Schutzstation Wattenmeer bietet Veranstaltungen wie eben Wattwanderungen und vieles mehr an. Die Teilnahme ist kostenlos, es wird lediglich um eine Spende gebeten, die dann den Aktivitäten und Arbeiten der Freiwilligen zugute kommt. Die Hose bis zum Knie hochgekrempelt, geht es los. Hinein ins kalte, matschige Watt. Wie zu Schulzeiten auf Sylt. Wir haben uns für eine dreistündige Tour entschieden, die hinaus geht bis an den Rand des größten Priels südlich der Insel. Dieses Priel ist so tief, dass auch bei Ebbe Schiffe bis an das Festland nach Husum fahren können.

Immer wieder stoppen wir und lauschen den Worten unsers Guides, die hier ein Freiwilliges ökologisches Jahr macht. Wir graben vorsichtig nach Wattwürmern, Muscheln und mehr und fühlen uns zurückversetzt in langvergangene Kindertage auf Sylt. Ausgelaugt, durchgefroren und matschig kommen später wir auf festem Boden an. Unsere Fahrräder bringen uns dank Rückenwind schnell zurück in die warme Stube. Eine heiße Dusche, Tee und Couch warten sehnsüchtig auf uns.


Auf dem Rad quer über die Insel

Tags darauf ist die Sonne da. Wir satteln unsere Fahrräder und machen uns auf Tour über die Insel. Die meisten Häuser haben historische Reetdächer und schöne Rosen vor der Eingangstür. Auf den leeren Straßen fährt es sich wunderbar. Vor allem bei Rückenwind. Außer uns ist kaum jemand unterwegs. Die Hochsaison kommt wohl erst. Wir teilen uns die Insel derweil mit den bereits bekannten Schafen, vielen Vögeln und hungrigen Kühen. Manche Nachbarn haben Hofläden, die Eier, frische Milch und Fleisch anbieten. Leider passen die Öffnungszeiten aber nicht zu unserem Aufenthalt, sodass wir mit dem Supermarkt im Hauptort Vorlieb nehmen müssen. Heute, am Pfingstsonntag, hat er von 10 Uhr bis 11:30 Uhr geöffnet. Ja, auf Pellworm geht alles etwas gemächlicher zu. Auch im Einzelhandel. Immerhin hat der Bäcker nachmittags noch geöffnet und wir genießen leckere Erdbeertorte mit frischem Cappuccino.

Der Rückweg ans Westende der Insel führt uns vorbei an Weiden und Getreidefeldern. Gerste und Roggen werden zahlreich angebaut. Die großen Bauernhöfe sind mit modernen, landwirtschaftlichen Fahrzeugen ausgestattet und gehen auch am Feiertag ihrer Arbeit nach. An einem Hof hält gerade der Milchlaster, um Frischmilch für das Festland abzuholen. Es ist schön zu sehen, dass die Bauern auf Pellworm noch die Möglichkeit haben, in ihrem ursprünglichen Beruf zu arbeiten. Wir kommen hoffentlich bald wieder, um bei den kleinen Hofläden unsere Lebensmitteln zu kaufen.


Nachts ist es totenstill

In unserem Apartment schlafen wir nachts übrigens wie die Babies. Es ist so ungewohnt ruhig, dass wir es abends kaum erwarten können, in das weiche Bett zu fallen. Wir versuchen, einen Mucks zu hören. Aber nein. Es ist einfach nur still. Nach aufreibenden Tagen in Hamburg seit der Rückkehr von unserer Weltreise tanken wir hier auf Pellworm Tag für Tag, aber vor allem Nacht für Nacht neue Energie.

Morgens liegen die frischen Brötchen übrigens schon im Briefkasten bereit. Welch‘ ein Service der Insel-Bäckerei Cornilsen, vor allem, da wir etwa 30 Radminuten von der Bäckerei entfernt wohnen und uns ungern vor dem Frühstück eine Stunde auf den Drahtesel schwingen möchten. So haben wir unproblematisch per telefonisch bestellt und müssen morgens nur die 100 Meter zum Briefkasten gehen, um die duftenden Brötchen in der Hand zu halten. Bezahlt wird am Abreisetag im Laden – es versteht sich von selbst, dass man auf Pellworm darauf vertraut, dass bei Abreise auch wirklich bezahlt wird.


Was bleibt?

Pellworm ist eine Reise wert. Die kleine, eher unbekannte Insel westlich von Husum und südlich von Föhr ist ein ruhiges Plätzchen für Naturliebhaber. Wer keine Scheu vor Wind und Watt hat, kann hier an der Nordsee erholsame Tage verbringen. Wir raten zu einer Unterkunft außerhalb des Ortes, um das authentische Inselleben richtig genießen zu können.


Unterkunft

Im Asgardhof* am Westufer der Insel lebt es sich gemütlich, komfortabel und mitten im Grünen. Der umgebaute Bauernhof beherbergt drei Apartments, die alle modern und gleichzeitig authentisch eingerichtet sind. Wer nicht mit einem Leihfahrrad wie wir unterwegs ist, kommt in wenigen Autominuten vom Fährhafen hierher. Die Unterkunft ist nicht ganz günstig, lässt am in Sachen Wohlfühlfaktor keinen Wunsch offen.


Restaurants

Pellworm ist nachhaltig unterwegs. In den Restaurants werden nur Glasflaschen verkauft. Wer etwas zum Mitnehmen bestellt, muss für Eingweggeschirr extra zahlen. Wir lassen uns im Restaurant des Gasthauses Hooger Fähre Essen einpacken – auf einem Porzellanteller, den wir am nächsten Tag zurückbringen. Solche Erlebnisse bleiben in bester Erinnerung. Ebenso übrigens wie das leckere, frische Essen der Insel. Besonders der Fisch, na klar, bei der Nähe zur Nordsee, ist köstlich. Ganz frisch geangelt und direkt auf dem Teller.

Im Restaurant zur alten Kirche werden auch allerbeste Nordsee-Krabben angeboten – wenn sie denn nicht mal wieder bereits ausverkauft sind. Angeschlossen an dieses Restaurant ist übrigens ein Hotel, welches in 2019 eingeweiht wurde und sich großer Beliebtheit bei jung und alt erfreut.

Im Hauptort stillen eine kleine Fußgängerzone, ein bereits lobend erwähnter Bäcker, ein Supermarkt und ein paar Restaurants alle Bedürfnisse. Es lohnt sich mit den Öffnungszeiten vertraut zu machen, um nicht vor verschlossener Tür zu stehen.


Reiseplanung & unterwegs vor Ort

Nach Pellworm kommt man mit der Fähre ab Nordstrand. In der Nebensaison fährt die Fähre nicht so häufig. Bitte vorher entsprechend informieren. Nordstrand ist per Bus/Zug und per Auto erreichbar. An der Fähre gibt es Langzeitparkplätze für diejenigen, die ihr Auto nicht mit rüber nach Pellworm nehmen möchten.

Die Fähre legt am neuen Hafen an. Von dort ist man in 10 bis 15 Gehminuten im Hauptort. Dort gibt es neben den bereits erwähnten Geschäften und Restaurants auch eine Fahrradvermietung. Während der Hauptsaison sollte man Räder lieber vorab telefonisch reservieren. Es sind auch Kinder- und Elektroräder im Angebot.
Pellworm lässt sich sehr gut per Fahrrad erkunden. Auch am Deich entlang führen gut ausgebaute Radwege. Die Insel hat einen Radius von 27 Kilometern. Wir haben eine Umrundung nicht gemacht, da der Wind auf der flachen Insel einfach zu stark war.

Mehrmals am Tag fahren Fähren zu den Nachbarninseln Föhr und Sylt. Auch Tagesausflüge inklusive Verpflegung sind hier möglich.


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