Revolutionsgeschichte in Santa Clara

Auf dem Weg von Santiago zurück in Richtung Havanna machen wir Halt in Santa Clara. Mittlerweile sind wir gut zwei Wochen auf Kuba unterwegs und haben uns langsam eingewöhnt. Unsere Gastgeber haben ein Taxi für uns bestellt, welches mehr oder weniger pünktlich eintrifft. In einem Auto, welches den Namen kaum noch verdient hat, geht es ohne Seitenspiegel und Anschnallgurt zum Busbahnhof südlich der Innenstadt von Camaguey.

Der Bus braucht knapp fünf Stunden für die Strecke von etwa 300 Kilometern. Immer geradeaus führt die Bundesstraße vorbei an leeren Weiten, kleinen Häuschen und tapferen Radfahrern, die in der Karibik-Hitze ihre Ernte transportieren.


Mittagspause im Leoncio Vidal Park

Uns bleiben nur 40 Stunden bis wir Santa Clara in Richtung Trinidad wieder verlassen. Also hinein ins Getümmel… Von wegen. In Santa Clara ist gar nicht so sehr viel los. Der einladende Leoncio Vidal Park lädt mit seinen schattenspendenden Bäumen zur Mittagspause sein. Rote Blüten recken sich an einigen Bäumen der Sonne entgegen. Ja, warm ist es im Februar auf Kuba. Der Platz ist gesäumt von Gebäuden unterschiedlichster Baustile. Ob in der Mittagshitze oder abends, wenn sich der Himmel romantisch rot färbt und die Sonne sich langsam verabschiedet. Wir sitzen gerne auf einer der Bänke und beobachten das Treiben. Schüler teilen sich Eis und Limonade. Nachbarinnen tauschen den neuesten Tratsch aus. Anderen nutzen den öffentlichen WLAN-Hotspot für ein Videotelefonat mit der Familie.


Abends in Santa Clara

In Santa Clara pulsiert das Leben auf eine ruhige, angenehme Art und Weise. Viele Bars, Cafés und Kneipen ziehen auch heute – am Montag – ihr Publikum an. Auffällig viele junge Leute sind unterwegs. Ihr Auftreten, ihre Klamotten und ihre Bars wirken auf uns schon fast „westlich“. Nun ja. Fast jedenfalls. In Santa Clara sind wir zurück im Latino-Leben Kubas. Weniger Dunkelhäutige als in Santiago und Camaguey begegnen uns hier auf den Wegen. Seltener wird uns hinterher geschaut. Kutschen, Fahrräder, Elektrotroller kurven durch die Straßen. Buchläden öffnen ihre Pforten zum Stöbern und Supermärkte, haben Wasser statt Alkohol im Sortiment (andernorts eher eine Rarität).

Die positive, freundliche Stimmung macht es uns leicht, uns wohl zu fühlen. Weniger Blicke streifen unsere helle Haut. Weniger Obdachlose hoffen auf eine kleine Spende. Die Armut, die wir in den letzten Tagen miterlebt haben, hat doch etwas an uns gezehrt. Hier in Santa Clara ist davon weniger zu spüren. Zu spüren ist stattdessen der Geist von El Che und Fidel Castro.


Revolutionsgeschichte von 1958

El Che und Fidel Castro sind auch der Grund, weshalb wir spontan unseren kurzen Stopp in Santa Clara eingebaut haben. Hier, wo die Revolution im Jahr 1958 ihren Sieg feierte, wollen wir am Ort des letzten Kampfes vorbeischauen. El Che war es, der mit seinen Truppen den letzten Widerstand in Santa Clara niederschlug, um dann nach Havanna vorzumaschieren. An der Eisenbahnstrecke stellten die Widerstandskämpfer einen Bulldozer quer auf die Gleise und überfielen dann einen mit Munition beladenen Zug der Armee. Noch heute kann man Zug und Bulldozer besichtigen. Ein beeindruckendes Erbe der Revolution, die seinerzeit sogar von den Einwohnern Santa Claras unterstützt wurde.


El Che – der Meister Kubas

Santa Clara gilt als wichtigster Ort des Revolutionssieges. Die Truppen von El Che und Fidel Castro hatten bereits in allen anderen Regionen der Insel die Oberhand gewonnen und lediglich Santa Clara galt es einzunehmen, um den Weg von Santiago nach Havanna frei zu machen. In Gedenken an die Kämpfe, die hier im Jahr 1958 stattfanden, hat man El Che ein imposantes Denkmal gebaut. Am westlichen Stadtrand thront er über den Kubanern, die noch heute zu ihm hinaufblicken. Gleiches gilt im Übrigen auch für Fidel Castro, dessen Namen auch in Santa Clara an vielen Gebäuden zu lesen ist.

Am Park Leoncio Vidal Park stehen wir vor einem hohen, türkisfarbenen Gebäude. Wer genau hinschaut, erkennt die Einschusslöchern an der Fassade. Sie sind Überreste der Revolutionskämpfe von 1958. Gänsehaut bedeckt den Körper, wenn man sich mitten im Widerstandskampf fühlt. Die Geschichte Kubas ist hier in Santa Clara fast zum Greifen nahe.


Was bleibt?

Santa Clara ist klein und schnell zu erkunden. Wer zwei Nächte vor Ort bleibt, hat ausreichend Zeit, „El Tren“ und das Monument von El Che zu besichtigen. Einen Abend durch die Straßen zu schlendern und die Musik einzusaugen bringt ebenso Spaß wie auf dem Leoncio Vidal Park zu sitzen und Leute zu beobachten. Wir sind froh, diesen kurzen, spontanen Stopp eingebaut und ein bisschen Revolutionsluft geschnuppert zu haben.


Unser Aufenthalt: Eine Nacht im Februar 2019


Unterkunft

Viele Unterkünfte in Santa Clara lassen sich über airbnb* finden und buchen. Es lohnt sich nahe des Leoncio Vidal Parks zu wohnen, um die Stadt fußläufig zu erkunden. Fast alle Unterkünfte bieten ein Privatzimmer mit eigenem Bad und gegen Aufpreis (2019: 5CUC pro Person) ein leckeres Frühstück an.


Restaurants

SaborArte – was auf den ersten Blick etwas ungemütlich wirkt, überzeugt mit frischem, leckerem, guten Essen


Reiseplanung & unterwegs vor Ort

Von Camaguey nach Santa Clara:
Fahrtzeit: 5 Stunden. Kosten: 15 CUC pro Person. Nur Viazul bietet diese Strecke an. Der Busbahnhof von Santa Clara liegt nur 15 bis 20 Gehminuten von der Innenstadt entfernt. Fahrradtaxen helfen sonst auch beim Transport.

Von Santa Clara nach Trinidad:
Fahrtzeit: 3 Stunden. Kosten: 8 CUC pro Person. Nur Viazul bietet diese Strecke an. Der Busbahnhof von Trinidad liegt nur 10 bis 15 Gehminuten von der Innenstadt entfernt.

Zur Vorbereitung auf unsere Reise und als ständiger Reisebegleiter hat sich das deutschsprachige Buch Lonely Planet Reiseführer Kuba* bewährt. Der Reiseführer liefert für einen schnellen Überblick über das Land, Informationen zu den verschiedenen Städten, Sightseeing-Tipps und vieles mehr.


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