Wandern auf Madeira

Blick auf Atlantik auf Madeira

„Madeira – die Blumeninsel“, so der Beiname der portugiesischen Insel zwei Flugstunden von Lissabon entfernt. Im Frühling blühen die Wiesen und Wälder, doch auch im Winter ist die Insel eine Reise wert. Uns führt es zu einem Familienurlaub dorthin. Vor neun Monaten haben wir Hamburg verlassen, auf Madeira sehen wir Eltern und Geschwister nun endlich wieder. Die Tage vergehen mit Ausschlafen, Klönen und gemeinsamem Kochen.

Die Insel mitten im Altantik besticht vor allem durch ihren vielen Wanderwege, so widmet sich dieser Blog dem „Wandern auf Madeira“.

Levada auf Madeira
Levada bei Faja da Ovelha

Entlang der Levadas zwischen Prazeres und Lombada Dos Marinheiros

Für die Wasserversorgung der Felder und Wiesen hat man sogenannte Levadas angelegt. Wasser aus den Bergen und Regenwasser werden in diesen schmalen Kanälen gesammelt und durch Schleusen auf die Feldern geleitet. Entlang der kilometerlangen Levadas führen Wanderwege, die uns von Dorf zu Dorf bringen. Hier gibt es kaum Höhenunterschiede zu überwinden und am Ende fast jeder Tour wartet ein Café mit leckerem Galao und Kuchen. Die Wege eignen sich auch wunderbar für weniger fitte Wanderer und sogar für Kinder.

Die Routen zwischen den Orten Prazeres (Standort) und Lombada Dos Marinheiros (Standort) sind wunderschön. Man wandert durch Nadel- und Eukalyptuswald entlang des Wasserlaufes und blickt auf den fernen, weiten Atlantik. Büsche fangen sogar im Dezember schon anzuspießen und der Farn tauscht sein braunes Blatt gegen ein frisches Grünes.

Abstieg nach Paul do Mar

Wer eine anspruchsvolle Tour sucht, kann von Faja da Ovelha (Standort) nach Paul do Mar (Standort) hinabsteigen. Autoparkplätze stehen an der Kirche Igreja Paroquial de São João Batista (Standort) zur Verfügung. Für die Tour sollte man in jedem Fall feste Schuhe anziehen und ausreichend Wasser mitnehmen. Es gilt etwa 500 Höhenmeter zu überwinden. Nach knapp zwei Stunden über unzählige Treppenstufen und alte Pflasterstraßen erreicht man die Kaimauer von Paul do Mar. Eine frische Brise kühlt den erschöpften Körper. Mit Blick auf den Atlantik und die unruhigen Wellen füllt man bei Galao oder Bier die Energiereserven wieder auf. Wer noch nicht genug hat, kann den Aufstieg zurück nach Faja da Ovelha in Angriff nehmen. Herz-Kreislauf-Training inklusive.

Der Wanderweg ist gut ausgeschildert und führt vorbei an stacheligen Kakteen, Wasserläufen und schroffen Abhängen. Das Ziel – den Ozean – hat man die ganze Zeit im Blick während es teilweise recht steil bergab geht. Als es noch keine Landstraßen auf der Insel gab, ging man diese anstrengenden Wege wohl hinab ins Fischerdorf Paul do Mar und dann wieder hinauf…. Gut, dass wir dieses kostenlose Sportprogramm heutzutage nur freiwillig machen.

Regenwald und Wasserfälle im Inselinneren

Eine ganz andere Tour – ohne Ozeanblick – führt im Inselinneren vorbei an vielen kleinen und großen Wasserfällen. Die „Levada of 25 Fontes“ (Standort) startet an einem großen Parkplatz. Lasst euch von den vielen Menschen dort nicht abschrecken. Viele sind unterwegs zu eben diesen 25 Wasserfällen. Ein Shuttlebus pendelt zwischen dem Parkplatz und den Fontes.
Doch unsere Tour führt zum Risco-Wasserfall (Standort). Entlang der Levada do Alcerim (Standort) geht es die ersten Minuten auf asphaltierten Wegen. Kaum Menschen sind hier unterwegs. Ein grünes Dach schützt uns vor der Sonne. Ehrlich gesagt hätten wir aber gerne etwas Wärme, denn hier oben auf gut 1.300 Metern über Normalnull ist es ziemlich frisch.
An den Ästen und Zweigen hat sich Moss gebildet. Wasser sammelt sich an ihren Spitzen und bildet Tropfen, die bald der Erdanziehung zum Opfer fallen. Wir wandern durch einen fast unberührten, wunderbar grünen Regenwald dem Ziel entgegen.
Wolken hängen im Tal und ziehen leise durch die Wälder. Die Levada führt an manchen Abschnitten knietiefes Wasser, manche Stellen sind trocken, da das Wasser durch eine Schleuse entweicht. Wasserfälle bilden sich an den Steinmauern und inmitten der Regenwaldes. Immer wieder bleiben wir stehen und bestaunen die feuchte Natur. Doch die Kälte treibt uns dann doch schnell weiter.

Nach etwa 90 Minuten erreichen wir den Risco-Wasserfall. Eigentlich müsste es „Wasserfälle“ heißen. Denn nicht nur ein Fall begrüßt uns. Das Wasser rauscht zwischen großen Felsen und feuchten Steinen hinab. Im Becken bahnt es sich den Weg vorbei an den felsigen Hindernissen, um dann nach ein paar Meter wieder steil hinab zustürzen.
An eine lange Verschnaufpause ist nicht zu denken. Die nassen Felsen eignen sich nicht als Sitzgelegenheit und wir freuen uns auf einen wärmenden Galao.

So treten wir den Rückweg zum Parkplatz an. Wieder vorbei an bemoosten Baumstämmen und dichtem Grün. Ein paar rutschige Treppenstufen und Pfützen machen diesen Weg etwas anspruchsvoller. Doch wer „gut zu Fuß“ ist und Lust auf Natur pur hat, ist hier sicherlich sehr gerne unterwegs.

Sportliche Herausforderung im Westen

Die schönste, aber auch anstrengendste Wanderung nehmen wir uns im Westen der Insel vor. In der Nähe des Leuchtturms Ponta do Pargo wollen wir bergab bis zum Ozean steigen. Der Weg startet nahe des Restaurants Casa de Chá ‚O Fio‘ (Standort). Der Pfad biegt auf der Straße zwischen Restaurant und Leuchtturm nach etwa 50 Metern links ab. Nach wenigen Minuten beginnt dann bereits der Abstieg. Im Zick-Zack verläuft der schmale Weg an der Steilwand entlang. Mal ziemlich steil, mal ganz geruhsam. Vorbei an großen Kakteen und blühenden Büschen. 500 Meter unter uns sehen wir den wilden Atlantik. Der Strand besteht aus dunklen Steinen. Wow, wie genial wäre es, dort unten zu stehen… Doch dann müsste man auch wieder hinauf… Kurz geträumt und weiter gehts.

Konzentration ist gefragt auf diesem Weg. Nur selten sind Abschnitte und steile Tiefen gesichert. Oft geht es ohne jegliche Absperrung direkt neben dem Pfad schwindelerregend hinab. Doch die Aussicht ist genial. Ganz alleine mitten in der wilden Natur. Außer uns ist hier keiner unterwegs, nur ein paar Vögel kreisen über unseren Köpfen.
Der Schweiß läuft während wir dem Ozean immer näher kommen. Nach knapp zwei Stunden haben wir es geschafft. Umgeben von schwarzen Steinen in allen erdenklichen Größen und Formen schnaufen wird durch. Vor uns liegt der weite Atlantik. Die Brandung ist leider zu stark, um sich ein bisschen abzukühlen – und das Wasser wäre auch sowieso viel zu kalt. Der Blick geht die Klippe hinauf. Den Wanderweg kann man nur erahnen. Die Sonne strahlt und Salz liegt in der Luft. Genial. Ewig könnten wir hier sitzen und dem Kommen und Gehen der Wellen zusehen.

Nach einer ordentlichen Pause mit einem Käse-Sandwich und viel Wasser treten wir den Rückweg an. 500 Meter bergauf. Puh. Schon bei dem Gedanken schmerzen die Beine. Der Weg startet etwa einen Kilometer südlich unseres Pausenplatzes. So kraxeln wir (im wahrsten Sinne des Worte) die nächsten 40 Minuten über den Steinstrand. Größe und kleine, feste und wackelige Steine fordern unser Gleichgewicht und unsere Kondition. Wer hätte gedacht, dass ein „Strand-Spaziergang“ so anstrengend sein kann.

Dann beginnt der Aufstieg. Steil wir der Abstieg und nicht weniger anspruchsvoll. Es geht stetig bergauf. Im Zick-Zack schlängelt sich der Pfad an der Klippe entlang. Rote Erde wechselt sich mit heller und schwarzer Erde ab. Bereits nach zehn Minuten haben wir etliche Höhenmeter hinter uns gebracht. Doch der Weg ist noch lang und die Oberschenkel brennen höllisch. Ganz ohne Verschnaufpause schaffen wir die Strecke nicht. Die Pausen nutzen wir um hinunter auf die Küste zu blicken und die Atmosphäre in vollen Zügen zu genießen.

Als wir nach 90-minütigem Aufstieg die letzten Meter geschafft haben, freuen wir uns wie die kleinen Kinder. Was für eine tolle, unvergessliche, anspruchsvolle Wanderung. Jedem, der ein bisschen an seine Grenzen gehen möchte, aber vor allem jedem, der dabei auch noch die wunderschöne Natur Madeiras genießen möchte, ist auf diesen Wanderwegen goldrichtig.


Unterkunft
Wer für ein paar Tage eine Unterkunft in Funchal sucht, ist im FX Hostel* sehr gut aufgehoben. Die Unterkunft liegt etwa 15 Minuten vom Stadtzentrum entfernt, hat großzügige Zimmer und sogar eine Terrasse mit Meerblick.


Restaurants
Wir haben viel zuhause gekocht und können deshalb wenige Restaurants empfehlen. Wer sich in der Nähe von Madalena do Mar aufhält, sollte sich das kleine, familiäre, authentische Restaurant „Stone House / Casa de Pedra“ aber nicht entgehen lassen. Der Fisch und die Meeresfrüchte sich super lecker und sehr, sehr frisch.


Reiseplanung & unterwegs vor Ort
Es gibt etliche Internetseiten und Wanderführer, die Routen und Wanderwege vorstellen. Wanderrouten sind im „Madeira: Die schönsten Levada- und Bergwanderungen. 60 Touren. Mit GPS-Daten„* sehr gut beschrieben, inklusive Schwierigkeitsgrad. Zu erwähnen ist auch die App „Maps.Me„. Bei der Navigation und Orientierung ohne GPS-Signal findet man nach einmaligem Herunterladen der Madeira-Karte per App wunderbar die verschiedenen Wanderwege.


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