Jerusalem – einfach wunderbar

Jerusalems Felsendom auf dem Tempelberg

Wir sind zum zweiten Mal nach 2009 in Jerusalem. Vage können wir uns noch an die engen Gassen erinnern. Zeit, die Erinnerung aufzufrischen. Gemeinsam mit drei Freunden aus Hamburg haben wir drei Tage Zeit dazu.

Hinein ins Getümmel

Schon nach ein paar Minuten wird uns klar, hier wollen wir bleiben. Am liebsten vier Wochen und nicht drei Nächte. Das Hostel liegt zentral und lässt Reiseherzen höher schlagen. Schönes Zimmer. Ruhig. Aufenthaltsraum. Schnelles Internet. Waschmaschine. Kurz frisch machen und dann raus nach West-Jerusalem. Dieser moderne Stadtteil ist voll mit Cafés und Restaurants. Wir stürzen uns nach dem langen Tag voller Heißhunger auf unsere Burger. 

Ruhiger Abend in Jerusalem

Abends in West-Jerusalem

Beste Stadtführung aller Zeiten

Am nächsten Morgen geht es früh weiter. Ryan, ein Texaner, der nach Jerusalem eingeheiratet hat, ruft zur Stadtführung. Sechseinhalb Stunden (JA! Richtig gelesen) geht es durch Jerusalems Altstadt mit seinen vier Vierteln. Gestartet im Muslimischen Viertel, zum Jüdischen, über das Armenische bis zum Christlichen. Jeder Teil hat seine eigene Kultur und Geschichte. Wir lernen mehr als Wikipedia und Lonely Plant jemals zusammen schaffen würden. Ryan nimmt sich viel Zeit und erklärt und erklärt. Wenn wir uns 10% merken können, ist das Hirn prall gefüllt. 

Tempelberg & Klagemauer in Jerusalem

Moslems und Juden sind nahe der Klagemauer zum Gebet versammelt. Die Moslems oben auf dem Tempelberg zwischen Felsendom und Al Aqsa Moschee. Außerhalb der Gebetszeiten darf man die Gebäude von außen bestaunen. Speziell die türkisfarbene Kuppel des Felsendoms und ihr Mosaik sind beeindruckend. Zu Ramadan kommen 1,6 Millionen Gläubige hier zusammen. Man betet dann sogar auf den Dächern. Die Stadt platzt aus allen Nähten. Gut, dass Ramadan erst in zwei Wochen beginnt. 

Für die Juden liegt der heilige Ort ebenfalls hier – es ist ein Fels unterhalb des Fundaments des Felsendoms. An der Klagemauer (im englischen irgendwie besser benannt mit Western Wall) sind sie diesem Fels am nähesten. Der Grund, weshalb man hier betet. So klar war uns das ehrlicher Weise bislang nicht. Männer und Frauen beten getrennt. Die Atmosphäre ist tolerant und offen. 

Gegensätze in Jerusalems Altstadt-Vierteln

Obwohl die Viertel in der Altstadt direkt ineinander übergehen, sieht man die Wechsel sofort. Im Vergleich zum hektischen, muslimischen Viertel, wo Frauen mit Kopftuch unterwegs sind und Müll auf der Straße liegt, wirkt das armenische Viertel fast steril. Kaum jemand ist in den sauberen Gassen unterwegs. Hauseingänge und Fensterläden sind gepflegt. Welch’ Unterschied. Als wären wir in einer anderen Stadt. 

Und die Christen? Die wirtschaften. Die engen Gänge sind vollgequetscht mit Souvenirshops und schlechten, überteuerten Restaurants. Dennoch ist es hier am vollsten. Ohne ein Andenken möchte man diese beeindruckende, vielfältige Stadt ja in keinem Fall verlassen. 

Souvenir-Läden in Jerusalem

Shopping-Wahn in der Altstadt

Und die Juden? Man erkennt sie schnell und deutlich an ihrer Kleidung. Die Männer mit Kippa und häufig schwarzer Hose und weißem Hemd. Die Frauen mit schwarzem Rock. Das religiöse Multikulti ist für uns ganz besonders beeindruckend. Toleranz groß geschrieben – auch wenn es am Tempelberg natürlich oft zu Unruhen kommt. Die Mehrheit lebt trotz unterschiedlichen Glaubens friedlich miteinander. 

Und die Moslems? Jubel, Trubel, Heiterkeit. Hier wird gefeilscht, gekauft, geklönt, was das Zeug hält. Gedanken an Amman werden wach… Es ist sehr witzig, wie man die unterschiedlichen Viertel innerhalb von Sekunden erkennt.

Grabeskirche

Der letzte Stopp der Führung ist die Grabeskirche. Eigentlich keine Kirche im eigentlichen Sinne. Zum Beten ist hier jedenfalls kein Platz vorgesehen. Jeder Winkel des eher düsteren Innenraums ist über und über mit Wandmalereien, Verzierungen und Lämpchen dekoriert. So richtig können wir diese Vielfalt gar nicht aufnehmen, sind wir uns der Wichtigkeit dieser Stätte doch auch gar nicht bewusst. Für die Christen ist dies der Heilige Ort, das Grab Jesu. Hunderte Gläubige quetschen sich mit uns durch die Hallen und warten darauf, den Raum des Grabes zu durchschreiten. Ryan muss aufpassen, dass er dem Gewühl die Gruppe beieinander hält. Wir verlassen den Heiligen Ort eher etwas gestresst von den vielen Menschen. Wer sich die Kirche genauer ansehen möchte, sollte früh morgens oder nach 17 Uhr kommen, dann ist es angeblich leerer.

Fehlende Energie-Reserven

Nach den vielen Eindrücken der letzten Tage sind wir recht angeschlagen und ausgelaugt. Die intensive Reise durch Jordanien und Israel hat Energie gekostet. Unser Langzeitreisen kann kurze Aufenthalte nicht so gut ab. Wir brauchen länger, um Eindrücke und Erlebnisse zu verarbeiten und merken ziemlich schnell, wenn die Zeit dafür nicht reicht. Dann stauen sich die erlebten Bilder im Kopf und können nicht ins Langzeitgedächtnis gespeichert werden. Es fehlt Zeit, Fotos anzuschauen, auszusortieren und zu speichern. Die kleinsten Erlebnisse werden für uns zu Stress. So sind wir ziemlich neben der Spur als wir uns Lena, Malte und Simon verabschieden, um einen letzten Nachmittag alleine in Jerusalem zu verbringen.

Ausgelaugt laufen wir durch die West-Stadt und sich kaum mehr aufnahmefähig. Wow, so kann Reiseleben eben auch sein. Es ist nicht immer nur alles rosig. Auf der einen Seite sehnen wir uns nach einer mindestens zweistündigen Kaffee-Pause inklusive Leute beobachten, auf der andere Seite ruft auch der Orga- und Doku-Stau am Laptop. Wir entscheiden uns für die Mitte und gehen nochmal zum berühmten Mahane Yehuda Market.

Bummeln wie die Einheimischen auf dem Mahane Yehuda Market

Hier ist zur Mittagszeit einiges los. Genau das Richtige für unser Gemüt. Brot, Gebäck, Obst, Gemüse, Fleisch… Getrocknete Früchte, Nüsse, Käse… Hier gibt es alles. Frisch & lokal. Leider bleibt uns nur noch ein Abend, sodass wir uns nur mit Brot für das morgige Frühstück eindecken. Aber eines ist klar: Wir kommen wieder!

Was bleibt?</h3>

Jerusalem… es fällt schwer, die Worte zu finden, die dich auch nur ansatzweise richtig beschreiben. Viele Orte dieser Welt können sich ein Vorbild nehmen an deiner Toleranz, Vielfalt und Lebensfreude. Nirgendwo lebt man so dicht und doch so verschieden miteinander. Die Kraft, die deine Religiosität versprüht, ist für uns als Nicht-Gläubige ziemlich beeindruckend. Trotzdem brauchst du viel Sicherheitspersonal und musst immer auf der Hut sein, dass es auf dem Tempelberg ruhig bleibt. Doch Unsicherheit strahlst du keineswegs aus. Du trotzt dieser und genießt das Leben in Cafés und Restaurants. Einfach wunderbar.


Unterkunft
Wir haben sehr zentral im The Post Hostel* gewohnt. Die Unterkunft ist top. Es gibt kleine, aber saubere Zimmer und einen großen Gemeinschaftsbereich. Sitzecken, Sofas, ein Fernsehraum und sogar eine Dachterrasse kann man nutzen. Am liebsten wären wir noch vier Wochen länger geblieben.


Reisevorbereitung & unterwegs vor Ort
Zur Vorbereitung auf unsere Reise und als ständiger Reisebegleiter hat sich der englischsprachige Lonely Planet Middle East bewährt. Der Reiseführer ist ideal für einen schnellen Überblick über den Nahen Osten, Transport-Verbindungen von A nach B und für Sightseeing-Tipps.
Hier gibt es den Lonely Planet*


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2 Kommentare zu “Jerusalem – einfach wunderbar

  1. Wahnsinnig schön, vielen Dank für den tollen Bericht und die klasse Fotos. Israel steht schon ewig auf meiner Bucket list und jetzt ist es wieder ein wenig nach oben gerutscht.

    Liebe Grüße

    • Das Land ist so vielfältig und eigentlich viel sicherer als gedacht. Sag Bescheid, wenn du Tipps brauchst 😉

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