Zwischen Plätzen und Kirchen in Camaguey

Nach heißen Tagen in Santiago geht unsere Kuba-Reise wieder Richtung Norden. Der Viazul-Bus bringt uns vorbei an Zuckerrohr-Feldern, von denen es zu besseren kubanischen Zeiten sicherlich wesentlich mehr gab, nach Camaguey. Am Straßenrand sehen wir zum ersten Mal recht viele landschaftlich genutzte Felder. Im Gegensatz zum trockenen, staubigen Santiago ist es hier grün und der Boden nutzbarer. Kokosnusspalmen und Bananenstauden ziehen an uns vorbei. Ochsen ziehen Pflüge über weite Felder. Da ist sie wieder, die kubanische Zeitmaschine, die uns in die 1960er Jahre zurückgeschickt hat. Neben den Feldern stehen einfache Hütten mit Strohdächern. Das Zuhause der Bauern, die nach getaner Arbeit per Kutsche oder Fahrrad am Straßenrand unterwegs sind.

Wie eigentlich überall auf Kuba, ist auch hier im Südosten der Insel wenig Verkehr. So kommt der Bus kommt, aber langsam voran. Zur Mittagspause stoppen wir in einem kleinen Ort. Nachbarn verkaufen Snacks und Limonade. Geschickt haben sie ihre Fahrräder zu Verkaufsständen umgebaut.

Pünktlich erreichen wir nachmittags Camaguey im Inselinneren.


Die Kirchen von Camaguey

Camaguey ist für uns genau der richtige Stopp zur richtigen Zeit. Mit Santiago waren wir auch nach sechs Tagen noch nicht so wirklich warm geworden. Die stickige Luft und der laute Verkehr haben an unseren Nerven gezehrt. In Camaguey ist tote Hose. Viele Straßen sind verkehrsberuhigt und das Sightseeing macht richtig Spaß.

Die Stadt mit gut 300.000 Einwohnern ist vor allem bekannt für seine fast unzähligen Kirchen. Anders als in vielen kubanischen Städten verlaufen die Straßen hier nicht im Schachbrettmuster. Hinter den Kurven und Ecken verstecken sich wunderschöne Gotteshäuser. Viele sind kürzlich restauriert oder zumindest gestrichen worden und strahlen uns farbenfroh entgegen.


Alltag in der beschaulichen Innenstadt

Der Trubel aus Havanna und Santiago ist in Camaguey nicht zu finden. Viele Fahrräder begegnen uns auf unseren Streifzügen durch die verwinkelte Stadt. Wenig lauter Verkehr und viele Cafés machen uns das Leben hier einfach.

Viele Kubaner verkaufen ihre Ernten und Waren auf der Straße. Umgebaute Fahrräder dienen auch hier als praktischer Verkaufsstand. Knoblauch, Zwiebeln, Tomaten, Bananen und Zitrusfrüchte. Das Angebot ist umfangreicher als beispielsweise im Südosten der Insel – wobei die Quantität (leider) immer noch sehr begrenzt ist. Trotz der schwierigen Versorgungslage lassen sich die Camagueyer nicht unterkriegen. Aus vielen Hauseingängen klingt Musik. Und auf der Straße stehen alte Herren und klönen während ihnen die Februar-Sonne ins Gesicht scheint.

Zur Siesta und zum Abend findet man sich im Schaukelstuhl im Wohnzimmer vor dem Fernseher ein. Dank der warmen Temperaturen sind die Fenster geöffnet. Das Fenster dient als „Verkaufstresen“. Dort werden Snacks, Kekse und sogar Ananas direkt aus dem Wohnzimmer verkauft. Die Kubaner sind mit ihrem Einfallsreichtum kaum zu übertreffen.


Der Mangel an Lebensmitteln wird trotz der gemütlichen Szenerie auch in Camaguey deutlich. Überall wird Schlange gestanden. Auf dem Wochenmarkt bilden sich große Menschentrauben vor den Fleisch-Ständen. Es ist deutlich erkennbar, dass Fleisch – im Speziellen Hühnchen – selten zu bekommen ist. Einige Frauen telefonieren hektisch, um abzuklären, welche Nachbarn ebenfalls mit dem raren Lebensmittel versorgt werden möchten. Auf Kuba hilft man sich. Egal, ob beim Hühnchen-Kauf oder beispielsweise beim Teilen des Essens. Häufig sieht man Einwohner mit Tupperdosen in der Hand durch die Straßen gehen – unterwegs zur Abholung des Mittagessens, welches für die ganze Nachbarschaft gekocht wurde.

Nur die Verfügbarkeit von Alkohol bleibt uns weiterhin ein Rätsel. Egal, wie knapp Grundnahrungsmittel auch sein mögen, Havanna Club Rum gibt es wirklich an jeder Ecke auf Kuba. So auch in Camaguey.


Von bunten Häusern und verträumten Plätzen

Wie bereits erwähnt, gefällt es uns wirklich gut in Camaguey. Gemächlichkeit und Ruhe liegen in der Luft. Wir schlendern über schöne Plätze, die unerwartet vor uns auftauchen, wenn wir um eine der vielen Ecken biegen. Cafés laden zu leckerem Cappuccino ein. Vor uns erstreckt sich ein mit Palmen gesäumter Platz. Vögel kreisen über unseren Köpfen.

Farbenfrohe Kolonialhäuser haben sich für unser Foto besonders hübsch herausgeputzt. Auf den meisten Plätzen der Stadt sind die Gebäude in den letzten Jahren renoviert worden.


In der langen Fußgängerzone, der Calle República, schlendern wir genüsslich an Eisläden und Restaurants vorbei. Entspannung liegt in der Luft. In Camaguey lässt sich so schnell niemand stressen. Nur wir, wir lassen uns vom Versuch Wasser zu kaufen, stressen. In den wenigen Supermärkten ist Wasser ebenso Mangelware wie in den Krämerläden. Fündig werden wir nach langer Suche endlich in einer Bäckerei. Der Bummel von Platz zu Platz und durch die verwinkelten Kopfsteinpflastergassen kann also weitergehen.


Leergefegte Gassen zur Siesta

Nachdem die Calle República am Vormittag noch gut gefüllt war mit Nachbarn, die Besorgungen machen oder Eis essen, ist sie zur Mittagszeit ausgestorben. Teilweise sind wir alleine unterwegs. Verträumt liegen die leeren Straßenzüge vor uns, während gefühlt alle anderen Siesta machen. Wir verlassen die Innenstadt und spazieren durch die Wohnstraßen im Süden der Stadt.


Außerhalb der Zentrums fehlt an einigen Ecken das Geld für Renovierungsarbeiten. Von den Fassaden der Wohnhäuser blättert der Putz. Manche Gebäude stehen bereits leer. Die schwierige (finanzielle) Situation Kubas zeigt sich auch hier. Umso beeindruckender ist es zu beobachten, wie lebensfroh und positiv die Kubaner ihren Alltag trotz der vielen Herausforderungen meistern.


Was bleibt?

Camaguey ist eine kleine, ruhige, beschauliche Stadt, die man nach einem, maximal zwei Tagen eigentlich komplett gesehen hat. Das gemütliche Flair in der nahezu autofreien Stadt lohnt aber für ein paar Tage mehr, an denen man durch die Gassen schlendert, Cappuccino schlürft oder versucht, alle Kirchen zu besichtigen.


Unser Aufenthalt: 3 Nächte im Februar 2019


Unterkunft

Viele Unterkünfte in Camaguey lassen sich über airbnb* finden und buchen. Es lohnt sich nahe der Calle República zu wohnen, um die Stadt fußläufig zu erkunden. Fast alle Unterkünfte bieten ein Privatzimmer mit eigenem Bad und gegen Aufpreis (2019: 5CUC pro Person) ein leckeres Frühstück an.


Restaurants


Reiseplanung & unterwegs vor Ort

Von Santiago nach Camaguey:
Fahrtzeit: 8 Stunden. Kosten: 33 CUC pro Person. Nur Viazul bietet diese Strecke an. Fahrkarten erhält man in Santiago bei Cubatur am Parque Cespedes (Standort). Dort kann man auch Tickets für andere Strecken kaufen. Der von Cubatur ausgestellte Voucher wird am Bahnhof gegen eine Fahrkarte getauscht. Reisepass beim Kauf nicht vergessen.

Von Camaguey nach Santa Clara:
Fahrtzeit: 5 Stunden. Kosten: 15 CUC pro Person. Nur Viazul bietet diese Strecke an.

Am Busbahnhof in Camaguey (drei Kilometer südlich der Innenstadt) warten etliche Anwohner, die Transporte und Zimmer anbieten. Freundlich verneinen, wenn man bereits eine Unterkunft gebucht hat, ist hier die beste Option, um die recht nervigen Nachfragen abzulehnen. Wer sich von seinem Gastgeber abholen läßt, kann dem Trubel schnell entfliehen. Ansonsten kostet ein (Fahrrad-)Taxi vom Busbahnhof in die Innenstadt etwa 6CUC.

Zur Vorbereitung auf unsere Reise und als ständiger Reisebegleiter hat sich das deutschsprachige Buch Lonely Planet Reiseführer Kuba* bewährt. Der Reiseführer liefert für einen schnellen Überblick über das Land, Informationen zu den verschiedenen Städten, Sightseeing-Tipps und vieles mehr.


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